Die bayr. Trachtler proben den Aufstand: Redeverbot für CSU-Abgeordnete



Erst drohten sie, den Umzug zum Oktoberfest zu boykottieren. Jetzt wollen die bayerischen Trachtler den Abgeordneten der CSU das Reden verbieten. Die Streichung eines seit 40 Jahren gewährten Zuschusses der Staatsregierung sorgt für Unmut beim Bayerischen Trachtenverband. "Sparen müssten eben alle Bereiche", so lautet die Antwort des betreffenden Ministeriums.



Trachten- und Schützenzug 2003


Groß war der Aufschrei der Trachtler: Ihr Landesvorsitzender Otto Dufter hatte bekannt gegeben, dass die Staatsregierung den Zuschuss für die festlichen Gewänder in Höhe von rund 500.000 Euro ab sofort komplett streicht. Und der oberste Trachtler lieferte auch gleich die Argumente, warum seine Mitglieder der Staatsregierung jetzt den Kampf ansagen wollen. "Wenn man bedenkt, dass unsere Mitglieder im Jahr 2003 insgesamt rund 3,7 Millionen Mark für ihre Trachten ausgegeben haben, war die Unterstützung sowieso viel zu gering", sagte Dufter. Aber zumindest den Nachwuchs habe man durch die Zuwendungen bisher gut motivieren können, so der Landesvorsitzende. Verbands-Kassier Walter Weinzierl reagierte auch enttäuscht: "Dass gerade der ehrenamtliche Bereich so abgestraft wird, verstehen wir nicht." Er befürchtet "gravierende Einschnitte für die Trachten-, Brauchtums- und Heimatpflege." In einer Resolution wandten sich die Trachtler an die Staatsregierung und an die Landtagsabgeordneten.



Boykott Oktoberfest-und Redeverbot


Bei einem Treffen haben die 24 Gauvorstände des Bayerischen Trachtenverbandes in Raubling bei Rosenheim weitere Kampfmaßnahmen beschlossen. Eine Konsequenz der Sparmaßnahmen könne sein, "dass man fortan dem Trachten- und Schützenzug zum Oktoberfest fernbleibt", so die Funktionäre. Außerdem hat ein Drittel der 24 bayerischen Trachtengaue beschlossen, bei ihren Festen keinen CSU-Abgeordneten mehr ans Rednerpult zu lassen.



"Wortbruch des Ministerpräsidenten"


Der Bayerische Trachtenverband beruft sich in dem Protestschreiben auch auf Aussagen von Ministerpräsident Edmund Stoiber. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er im Bayernkurier die Trachtenpflege als wichtigen Faktor für Bayerns Attraktivität gelobt. "Wir fördern private Museen, Trachtenvereine, Musikschulen und Laientheater," hieß es dort. Diese Aussage wertet der Trachtenverband als Versprechen - "und das wurde gebrochen", sagten die Vertreter der Gauverbände auf einer Tagung am Wochenende. Das für das Trachtenwesen zuständige Kunstministerium begründete die Streichung des Zuschusses als Sparmaßnahme, die viele Bereiche betreffen müsse. Bei der Organisation der Heimatpflege hingegen sei nicht gespart worden, um die bayernweite Brauchtumspflege zu erhalten, so das Ministerium.



Bayerischer Trachtenverband


Insgesamt 24 Gauverbände vertreten in fast 1.000 Heimat- und Volkstrachtenvereinen rund 200.000 erwachsene und 100.000 jugendliche Mitglieder.

(Homepage des Bayerischen Trachtenverbandes: www.trachtenverband-bayern.de)



Quelle: BR-Korrespondenten / Tagesschau-Newsletter 17.03.04



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