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Aus der Mainpost: 26.04.2008 15:15 Uhr MARKTHEIDENFELD „Jetzt ist aber Schluss“Bürgermeister Leonhard Scherg nimmt Abschied von seinem Amt und will erstmal pilgern
„Marktheidenfeld ist die Stadt, für die ich 24 Jahre lebte.“ Bürgermeister Leonhard Scherg war sichtlich gerührt bei seiner offiziellen Abschiedsfeier am Samstagmorgen in der Aula der Hauptschule am Maradies. Als sich die Gäste von ihren Sitzen erhoben, um ihm zum Abschluss des würdigen Festaktes zu applaudieren, zeigte der sonst so analytische Denker Emotionen. Als ihm der Beifall jedoch zuviel wurde, ging er ans Mikrofon und befahl: „Jetzt ist aber Schluss.“
Schergs Stellvertreter Manfred Stamm erinnerte in seiner Festrede zu Beginn der Feier an die vielen Verdienste Schergs um Marktheidenfeld und zählte zahlreiche Projekte auf, die in seiner Amtszeit verwirklicht wurden, etwa die neue Mainbrücke. Stamm hob besonders Schergs kulturelles Engagement hervor, von der Stadtbücherei über das Kulturzentrum Franck-Haus bis hin zur Bürgerkulturstiftung. Doch gemäß dem Spruch aus England „Die Menschen, nicht die Häuser machen die Stadt“ sei es Scherg um die Marktheidenfelder gegangen. Seine Bürotüre im Rathaus sei stets offen gewesen. Scherg habe mit geschliffener Rhetorik immer klare Stellung bezogen – gemäß dem Motto „Werte kann man nur vorleben“. Drei Dinge sollten dem scheidenden Stadtoberhaupt den Schritt in den Ruhestand erleichtern: Stamm übergab dem promovierten Historiker eine „Golden Archivcard“, mit der er jederzeit das städtische Archiv aufsuchen darf. Eine Buntsandsteintafel, die an Schergs Amtszeit erinnert, wird seinem Wunsch nach am neuen Rathaus angebracht. Außerdem gab es einen Gutschein für einen Wellness-Urlaub mit seiner Gattin Christiane in Verona. „Mein Bürgermeister“ nannte Landrat Armin Grein, der in Marktheidenfeld wohnt und Schergs Vorgänger im Amt war, den angehenden Ruheständler. Er zollte ihm „hohen Respekt für Deine Arbeit“ und übergab einen Korb mit Landratschoppen. Staatskanzleichef Eberhard Sinner nannte Leonhard Scherg „einen Glücksfall für Marktheidenfeld“. Er habe die Identität der Stadt gestärkt. Außerdem sei Scherg so etwas wie das „kollektive Gewissen des Landkreises“. Sinner erinnerte an das Engagement für die Gedenkstätte in der ehemaligen Synagoge Urspringen. Der Rektor der Hauptschule am Maradies, Ronald Röhr, dankte namens aller Marktheidenfelder Schulleiter. Scherg habe auch als Vorsitzender des Schulverbandes die Marktheidenfelder Hauptschule entscheidend geprägt. Scherg sei immer ein fairer Gesprächspartner gewesen, sagte Pfarrer Hermann Becker, der für die beiden Kirchen sprach. Er steckte Scherg, der sich im Ruhestand auf den Weg nach Santiago de Compostela machen will, eine Anstecknadel an, die ihn als „Jakobspilger auf dem Weg“ ausweist. Für die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld sprach Otto Dümig (Roden). Er bezeichnete Scherg als einen „Mann, der Kommunalpolitik gelebt hat“. In einem Gedicht dankte Lothar Pfaff für die Marktheidenfelder Vereine dem Schirmherrn vieler Veranstaltungen unter anderem fürs Frühaufstehen, um am Jahrtag dabei zu sein, oder für seine Grußworte voller Lob, die Kraft gegeben hätten. Ein Stadtratschor besang auf die Melodie des Frankenliedes unter anderem Schergs Vorliebe für Pflaster und folgerte: „Gesunde Schuhe sind flach.“ Das Lied nahm auch die Maradies-Pleite ins Visier, endete aber: „Dennoch hat er 'nen Ehrenplatz in Hädefelds Geschichte“. „Das erinnert mich etwas an eine Beerdigung“ sagte Leonhard Scherg, als er zum Schluss selbst ans Mikrofon trat, in seinen Dankesworten. Er fühlte sich an den lateinischen Spruch erinnert „De mortuis nil nisi bene“ (Über Tote soll man nur gut reden). Doch nach den vergangenen Monaten tue dies auch gut. Er dankte dem Stadtrat und seinen Mitarbeitern im Rathaus. Ein bisschen schlucken musste er schon vor Rührung, als er seiner Frau Christiane seinen Dank aussprach. „Die Familie hat mir immer als Rückzugsort gedient, wenn die Stürme tobten.“ Er hoffe, auch künftig daheim ein warmes Plätzchen zu finden. Jetzt aber werde er die Amtskette mit dem Pilgerzeichen, der Jakobsmuschel, tauschen, die er auch schon symbolisch um den Hals trug. Nach dem minutenlangem stehenden Applaus lud stellvertretender Bürgermeister Manfred Stamm die Gäste zum kalten Buffet ein. Ungefähr 2000 Sitzungen habe Scherg für die Stadt Marktheidenfeld geleitet. Und genau soviele Häppchen stünden jetzt bereit. Und als Besonderheit gab es zum süßen Abschluss „essbare Pflastersteine“. Die Feier wurde vom Akkordeonorchester mit Melodien von Schostakowitsch feierlich umrahmt. Das Duo „Voilano“ (Thomas Zenglein, Piano, und Elke Bamberger, Gesang) unterhielt die Gäste beim anschließenden Stehempfang. von unserem Redaktionsmitglied Andreas Köster |
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