Artikel vom 28.02.08



Serie: Warum ich gern hier lebe

Heute: Robert Hepp im Stadtteil Glasofen würde nie anderswo leben



Marktheidenfeld-Glasofen. »Ja klar, ich bin immer noch da, wenn ich gebraucht werde!« Der dies sagt, ist Robert Hepp, den es schon wieder umtreibt, denn eine Kuh seines Bruders steht kurz vor dem Kalben. Hepp hat trotz seines Ruhestands keine Zeit: Das Leben ruft ihn.

Immer hat ihn das Leben gerufen, immer hat er zum Leben »ja« gesagt, schon damals, als er seinen ersten Schrei in der Dorfstraße 16 tat, heute Claushofstraße. Aus dem Robert Hepp wurde ein Mann, den man eigentlich nicht einordnen konnte in das gängige Schema, denn er nahm keine Vorteile für sich - im Gegenteil: Er gab für andere Menschen. Geldüberweisungen nach Liechtenstein beispielsweise wären ihm nie in den Sinn gekommen. Aber Spenden für die Lebenshilfe, für die Kinder, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, die hat er gerne übergeben. Und zuvor dafür gearbeitet.

Aber der Reihe nach: Robert Hepp als typisches Glasofener Gewächs wusste genau, dass er sich in sein Heimatdorf einbringen müsse. Das war so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Nur wie und wo, das stand so noch nicht fest. Er war der Feuerwehr beigetreten, hatte dort alle Lehrgänge und Prüfungen gemacht - wie sich das eben so gehört für einen anständigen Ortsbürger. Dann starb plötzlich der Feuerwehrkommandant. Von heute auf morgen war Hepp Feuerwehrkommandant - und er blieb es lange, bis er mit seinem 60. Geburtstag das Amt abgeben musste. Dass sein Sohn inzwischen in der Feuerwehr aktiv ist, beweist nur das gute Beispiel des Vaters.

»Wir hatten die erste Gefrieranlage weit und breit«, erinnert sich Hepp und auch daran, wie man das Glasofener Schlachthaus ausbaute. Und das Bürgerhaus, das früher eine Schule war. Hepp heute: »Der Landrat Grein, damals Bürgermeister, hat zu mir gesagt: ?Das schafft ihr nie?. Wir haben es geschafft, das Bürgerhaus war rechtzeitig zur Einweihung fertig.«

1977 gründete Robert Hepp, eingedenk der jahrhundertealten Tradition, einen Köhlerverein in Glasofen. Ein Festplatz wurde geschaffen und Jahr für Jahr ausgebaut. Für das Köhlerfest mussten alle Voraussetzungen wie Wasser und Strom auf den Festplatz am Waldrand weit oberhalb des Stadtteils verlegt werden. Das kostete viel, viel Geld. Und dennoch: Es verging kein Jahr, in dem Robert Hepp nicht eine stattliche Spende aus dem Verkauf der Holzkohle an karitative Vereine spendete. Vor allem für die Kindergärten und an die Lebenshilfe. Genau kann er es nicht mehr sagen, aber überschlägig werden es wohl 100000 Euro gewesen sein.

Und das letzte Projekt, das Robert Hepp in Angriff nahm? Das war die Erweiterung der Festhalle im Jahr 2003. Man hat halt überall gebaut und geschaut, dass es vorwärts geht in der kleinen Gemeinde, in der jeder jeden kennt, in der es schon immer nur mit Nachbarschaftshilfe ging. Robert Hepp heute: »Geld hatten wir nicht, aber viele haben mitgeholfen, wie ich 1965 mein Haus gebaut habe.« Sein Fazit: »Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu leben. Wir haben den richtigen Ort und ein sehr gutes nachbarliches Zusammenleben. Wir haben ein Bürgerhaus, einen Köhlerplatz und eine Festhalle. Alles selbst gemacht und hergerichtet. Ich war dabei und ich würde alles wieder so machen, wie damals.« Mit dem, was die Generation von Robert Hepp in Glasofen aufgebaut hat, kann die Jugend des Stadtteils gut weitermachen. Und sie tut das auch, sie fühlt sich ebenso eingebunden in die Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit wie ihre Väter. Und Robert Hepp fügt dazu an, dass er ja auch immer noch da sei, falls er gebraucht werde. Denn er hilft gern. Spricht's, steht auf und schaut nach der Kuh seines Bruders, die kurz vor dem Kalben steht.

Lothar Pfaff



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