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»Ich gehe gern hierher zurück« Serie: »Warum ich gern hier lebe« - Heute: Gertrud Wolf im Stadtteil Glasofen Marktheidenfeld-Glasofen. Das erste Köhlerbrot, das sie in ihrem Ofen buk, war total schwarz. Seit diesem Tag hat Gertrud Wolf Hunderte von Broten gebacken, die allesamt gelobt wurden. Dabei ist sie keine eingeborene »Glasfelderin«. Sie hat reingeheiratet. Aber inzwischen ist Glasofen ihre Heimat. Manchmal dauert es lang, sich in eine Dorfgemeinschaft einzuleben. Zahllose Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg haben dies ebenso miterlebt wie viele, die der Liebe wegen in einen anderen Ort reinheirateten. Bei Gertrud Wolf war das von Anfang an anders: »Ich möchte nirgendwo anders wohnen. Es gefällt mir da. Man ist von Anfang an gut aufgenommen worden. Die Leute, die Gemeinschaft - das passt alles.« Nach Steinmark, wo sie geboren wurde, wo ihr Elternhaus steht, geht sie gerne. Schon deshalb, weil einer ihrer Söhne dort lebt, weil sie gerne Kindermädchen macht, damit die jungen Leute auch mal ausgehen können. Aber: »Es ist schön in Steinmark, aber ich gehe gern wieder nach Glasofen zurück.« Gertrud Wolf ist in den fast 42 Jahren, in denen sie in Glasofen lebt, heimisch geworden. Der Stadtteil ist übersichtlich, jeder kennt hier jeden und jeder hilft auch zusammen, wenn es darum geht, etwas auf die Beine zu stellen. Und so hat das dann auch mit dem Brotbacken angefangen. Man hatte mit vier Familien einen besonderen Kontakt und irgendwann kam eben die Sprache darauf, wie früher im Dorf gemeinsam Brot gebacken wurde. »Du könntest eigentlich auch Brot backen«, sagte sich Gertrud Wolf und probierte es. Wie bereits oben erwähnt: Das erste Brot war ein richtiges Köhlerbrot - pechschwarz eben, fast verbrannt. Aber die 61-Jährige ließ sich davon nicht entmutigen. Sie buk weiter und heute ist ihr berühmtes Brot beim Köhlerfest, aber auch bei größeren Anlässen wie Feuerwehr-, Trachten- oder Gesangvereinsfest, beliebt und gefragt. Die Integration in dem Dorf fiel Gertrud Wolf auch deshalb nicht schwer, weil sie sich in die Vereine einbrachte. Als die Kinder größer waren, besuchte sie auch die abendlichen Probestunden des Gesangvereins Glasofen, sie war dann Jahrzehnte in der Vorstandschaft des Vereins. Wie selbstverständlich half sie auch in der Küche und hinter der Theke im Bürgerhaus aus. Sie teilte die Leute für die Bewirtung ein, sorgte dafür, das genügend Bedienungen und Männer hinter der Theke für das Ausschenken da waren. Denn im Bürgerhaus feiern nicht nur die »Glasfelder«, auch zahlreiche Geburtstags- und Familienfeiern von Bürgern aus der Kernstadt finden hier statt. Das geht aber nur, wenn Leute wie Gertrud Wolf mit ihrem Team parat stehen. Seit 1974 übernimmt sie die Kaffeebar in der Glasofener Festhalle, wenn hier ein mehrtägiges Fest stattfindet. Aber nach wie vor ist das Brotbacken das liebste Hobby von Gertrud Wolf. Sie zaubert ein richtiges Brot hin, wie man es eigentlich gar nicht mehr kennt, wie es einst die Großmutter gebacken hat. Wenn Backtag ist, dann zieht ein Duft durchs Haus, dass man automatisch Appetit bekommt. Da braucht man keine Wurst oder Butter als Aufstrich, das Brot schmeckt einfach von selbst. Große Hilfe hat Gertrud Wolf dabei immer von ihrem Mann Adolf. Er sorgt für das richtige Buchenholz, das man zum Brotbacken braucht, und ist auch sonst hilfsbereit im Hintergrund. Ohne viele und große Worte hält und schafft das Paar zusammen. Und wenn man ganz ehrlich ist, muss man sagen, dass es die Liebe war, die eine junge Frau namens Gertrud aus »Stammrich« so schnell in »Glasfeld« heimisch werden ließ. Lothar Pfaff |
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